Plastik-Bashing verbindet

Wenn man wie ich schon etwas länger dabei ist, kennt man den Zusammenhang aus den ersten Jahren des Grünen Punkts. Das Thema Kunststoff – heute fast überall nur noch als Plastik bezeichnet – eignet sich hervorragend für zweierlei: Zum einen kann man sich über die „verheerenden“ ökologischen Auswirkungen aufregen (dazu findet man in den Medien auch reichlich Stoff) und zum andern herrlich sein ökologisches Gewissen beruhigen. Indem man – damals – brav den Müll trennt oder – heute – möglichst „plastikfrei“ lebt. Da fragt dann keiner nach den Belastungen durch den SUV und den schon zweiten Flug nach Mallorca oder auf eine noch viel weiter entfernte Insel. Mal zum Vergleich: Ein Flug von Berlin nach Singapur und zurück hat pro Person etwa den ökologischen Fußabdruck wie 30 Jahre Verpackungsverbrauch, ebenfalls pro Person und alle Arten von Verpackungen, auch Transport- und Industrieverpackungen zusammengenommen. Aber das interessiert dann niemanden, denn auf den Urlaubsflug zu verzichten tut natürlich viel mehr weh als auf ein paar Plastikverpackungen.

Auch Politiker machen es sich da ähnlich leicht. Da verlangt doch der von mir sehr geschätzte Robert Habeck tatsächlich ein Verbot der Einweg-Plastikflasche mit dem Hinweis, man müsse was gegen die Vermüllung der Meere tun. Der NABU fordert das übrigens auch. Jetzt wundert sich der Fachmann, was das Verbot eines Produkts, das zu über 95 Prozent im Rückgabeautomat landet und eben nicht im Meer, zur Problemlösung beitragen soll. Da könnte allenfalls noch das Argument herhalten, man gehe mit gutem Beispiel für die Verursacher-Länder voran, wobei fraglich sein dürfte, ob die Indonesier und Chinesen nichts anderes zu tun haben, als auf Deutschland zu schauen. Womöglich wird aber umgekehrt ein Schuh draus und wir sollten uns lieber ein Beispiel daran nehmen, wie in asiatischen Ländern Elektromobilität gepusht wird. Dem Verbrennungsmotor den Kampf anzusagen, wäre ein deutlich problemorientierteres Vorgehen, aber eben auch ein unangenehmeres. Immerhin fordert das der eine oder die andere inzwischen.

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